Liebe à la Darwin
Partnerwahl im Blick der Evolution
Grafik: Georg-August-Universität Göttingen
Aber – was ist "schön"? Für die Biologie ist Schönheit mit sexueller Attraktivität gleichzusetzen. Doch was macht diese Attraktivität aus? Schönheitsideale wandeln sich mit der Zeit und sind auch in den verschiedenen Kulturen teilweise unterschiedlich. So hätten gertenschlanke Models von heute im 16. Jahrhundert kaum Verehrer gefunden. Schöne Menschen sind "anziehend", und die Wissenschaft beginnt zu verstehen, warum das so ist.
Die Forschungsrichtung, die sich mit derartigen Fragen befasst, ist die Evolutionspsychologie. Am Institut für Zoologie und Anthropologie der Universität Göttingen beschäftigt sich eine Gruppe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler damit, wie sich das Partnerwahlverhalten des Menschen im Laufe der Evolution entwickelt hat. Denn man weiß heute, 150 Jahre nach Charles Darwin, dass die Wertschätzung menschlicher Schönheit und damit auch die Partnerwahl starke biologische Wurzeln haben. Denn der wichtigste Antrieb bei der Wahl unseres Partners ist aus der Sicht der Biologie die Sicherung des Nachwuchses und damit die Erhaltung der Art – das gilt auch für den Menschen.
Feste Maße für Attraktivität gibt es nicht, aber es gibt Regeln und Gesetzmäßigkeiten, nach denen wir gutes Aussehen bewerten. Dass dabei beispielsweise die Gesichtszüge eines Menschen eine besondere Rolle spielen, ist bekannt. Aber andere Merkmale des menschlichen Erscheinungsbildes sind bisher weit weniger untersucht: Welche Bedeutung haben Körperbewegungen, oder wie wichtig ist das Erscheinungsbild der Haut?
In ihren Untersuchungen erfassen die Forscherinnen und Forscher die Signalwirkungen, die bewegte und unbewegte Gesichts- und Körpermerkmale auf ihr Gegenüber ausüben. In Zusammenarbeit mit einer englischen Partneruniversität werden mittels Motion-Capturing-Technologie die Bewegungen von Menschen aufgenommen, und mit digitaler Bildanalyse wird die Haut verschiedener Personen "unter die Lupe genommen". Am Computer werden Gesichter zum Beispiel männlicher oder weiblicher geformt, und es wird beobachtet, wie und auf welche Reize die Zielpersonen reagieren. Zum einen werden sie befragt, aber das ist nicht alles. Auch ihnen wird mit moderner Technologie auf den Zahn gefühlt, um möglichst objektive Aussagen machen zu können. So werden ihre Augenbewegungen mittels Eye-TrackingTechnologie studiert, das heißt, ihre Blickbewegungen werden genau aufgezeichnet und zusammen mit den Befragungen ausgewertet.
Welches Signal letztendlich den stärksten Ausschlag bei unserer Partnerwahl gibt, wissen wir noch nicht, aber eines steht schon jetzt fest: Das Aussehen spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle, und schöne Menschen scheinen es im Leben tatsächlich etwas leichter zu haben. Dennoch legt sich die Biologie nicht auf ein bestimmtes Ideal fest, denn die wahre Schönheit besteht für die Biologie in der Vielfalt. Diese Regel ist in der Natur bei Pflanzen, Tieren, und auch beim Menschen immer wieder erfolgreich gewesen und gilt auch in der Partnerwahl.
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Forschungsstandort Göttingen
