Portrait

Ansgar Büschges

Lehrstuhl II Zoologie/Tierphysiologie
Zoologisches Institut
Universität zu Köln


Ansgar Büschges wurde 1961 in Aldekerk geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er studierte von 1980 bis1986 an der Universität Bielefeld.

"Ich habe mich schon, wie viele Kinder, von klein auf für Tiere und Biologie interessiert, habe z.B. Laich aus Teichen mit nach Hause gebracht und in Aquarien auf der Terrasse Frösche und Molche aufgezogen. Ebenso das Musizieren war mir ein wichtiges Hobby. Ich habe mehr als 10 Jahre klassische Gitarre gelernt und bis zum Ende des Studiums in verschiedenen Orchestern und Musikgruppen musiziert, zunächst klassische Musik, später Jazz. Nach dem Abitur stellte sich mir die Frage, studiere ich Biologie oder Musik. Ich habe mich für Biologie entschieden, weil ich meine Stärken eher in der naturwissenschaftlichen Neugier als in der kreativen Perfektion der Interpretation der Werke anderer, oder gar der eigenen musikalischen Kreativität sah. In den ersten drei Jahren des Studiums habe ich ebenso Soziologie und Philosophie studiert. Während des Biologiestudiums entdeckte ich die Neurobiologie und war mehr und mehr fasziniert von der Frage, wie das Nervensystem von Tieren arbeitet. Meine Diplomarbeit unterstützte mein Interesse daran herauszufinden, welchen Anteil das Nervensystem daran hat, wie Tiere sich bewegen. Ich nahm ein Angebot von Prof. Bässler zur Promotion im Fachbereich Biologie der Universität Kaiserslautern an."

Von 1986 bis 1989 arbeitete er an seiner Promotion zum Dr. rer. nat. an der Universität Kaiserslautern.

"Während der Promotion lernte ich anhand der Untersuchung einzelner Nervenzellen im Nervenzellverband erstmals die Komplexität neuronaler Schaltkreise durch die eigene Arbeit kennen, wobei ich fasziniert war, zu erkennen, dass die Gesamtleistung eines neuronalen Netzwerks durchaus nicht von wenigen festgelegten Informationswegen bestimmt wird, im Gegenteil. Nach der Promotion bin ich von 1989 bis 1991 mit einem Stipendium der Alberta Heritage Foundation for Medical Research als Postdoktorand nach Kanada gegangen, in das Labor von Prof. Pearson an der Medizinischen Fakultät der Universität Edmonton. Ich wollte bei der Arbeit mit einem der international führenden Forscher auf dem Gebiet der neuronalen Grundlagen für Fortbewegung mein Wissen um die Untersuchung von Nervennetzwerken zur Fortbewegung vertiefen, wobei mich insbesondere interessierte, wie neuronale Netzwerke ihr Funktion auch nach dem Beschädigung wichtiger sensorischer Elemente wiederherstellen können, wie sie funktionell regenerieren können. Mit meiner Rückkehr nach Deutschland entschloss ich mich, als Assistent bei Prof. Bässler in Kaiserslautern zu arbeiten, da ich mich weiter der Untersuchung der neuronalen Grundlagen zur Fortbewegung widmen wollte."

Ansgar Büschges habilitierte sich 1995 für das Fach Zoologie im Fachbereich Biologie der Universität Kaiserslautern mit dem Thema ”Untersuchungen neuronaler Mechanismen beim Laufen und Fliegen von Insekten” und erhielt 1997 ein Heisenberg-Stipendium der DFG zur Fortführung seiner Arbeiten auf dem Gebiet der neuronalen Grundlagen der Bewegungserzeugung bei Tieren. 1998 folgte er dem Ruf auf einen Lehrstuhl für Tierphysiologie im Zoologischen Institut der Universität zu Köln.

"Ich wollte mein Heisenbergstipendium nutzen, meinen wissenschaftlichen Horizont zu erweitern und meine Arbeit auf die Untersuchung an Wirbeltieren auszuweiten. Dafür wählte ich das Wirbeltier aus, bei dem die neuronalen Netzwerke zur Fortbewegungserzeugung am besten bekannt sind, das Neunauge. Herr Grillner nahm mich als Heisenbergstipendiat in seinem Labor am Nobelinstitut für Neurophysiologie in Stockholm auf, wo ich die Rolle von speziellen Ionenkanälen für die Erzeugung lokomotorischer Aktivität an diesem Netzwerk studierte. In Stockholm erhielt ich den Ruf auf den Lehrstuhl für Tierphysiologie an der Universität zu Köln, den ich seit 1998 innehabe. Die Themen unserer Arbeit haben sich seitdem neben der Grundlagenforschung in ihrer Ausrichtung auch stark an den Fragen aus den Ingenieurwissenschaften an die Neurobiologie orientiert. Wie ist das Nervensystem von Tieren in der Lage ist, trotz seiner vergleichsweise einfacheren Organisation und Funktion komplexe motorische Aktivität flexibel und adäquat, von außen betrachtet jedoch fast automatisch zu erzeugen? Durch eine Einladung an das Wissenschaftskolleg zu Berlin für das akademische Jahr 2001/2002 erhielt ich die außergewöhnliche Möglichkeit, als Daimler-Chrysler Fellow mit ausgewählten Kollegen eine Forschergruppe zum Thema "Neuronal Control of Locomotion" zusammenzustellen. Auf Basis der von uns in unseren Laboren gewonnenen Daten zur Laufmustererzeugung konnten wir erstmals neuromechanische Simulationen von laufenden Tieren entwickeln. Dies versetzte uns in die Lage, die zur Laufmustererzeugung entwickelten Hypothesen und Vorstellungen dem Test auf ihren funktionellen Erklärungswert zu unterziehen. Die Arbeit in dieser Gruppe, sowie die anschließenden Forschungsprojekte in Köln haben uns erlaubt, die Architektur der neuronalen Netzwerke zur Erzeugung von Fortbewegung, insbesondere zum Laufen, sehr detailliert aufzuklären, was in der Kooperation mit den Ingenieurwissenschaften und der Entwicklung von Laufrobotern erfolgreich umgesetzt wird."

Hans-Peter Bollhagen (Kameramann Köln und Bielefeld)

Hans-Peter Bollhagen ist ausgebildeter Physiklaborant, Elektromeister, Elektrotechniker und PTA. Er betreut seit langem die Rasterelektronenmikroskopie und die elektrophysiologischen Versuchsaufbauten der Arbeitsgruppe von Prof. Büschges in Köln.
 
 

Dr. Matthias Gruhn (Köln und Koordination der Standorte)

Dr. Matthias Gruhn studierte Biologie in Würzburg, und Albany. Er promovierte in Konstanz und ging anschließend zu einem mehrjährigen Forschungsaufenthalt (postdoc) an die Cornell University in Ithaca, USA. Zurzeit beschäftigt er sich mit der neuronalen Kontrolle des Kurvenlaufens an der Stabheuschrecke am Lehrstuhl für Tierphysiologie der Universität Köln, in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Ansgar Büschges.
 

Markus Schwienbacher (München) und Valerio Favot (Kameramann München)

Valerio Favot ist Ingenieur für Elektrotechnik, Markus Schwienbacher ist Ingenieur für Maschinenwesen. Beide arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Angewandte Mechanik der TU-München an Zukunftsprojekten für den humanoiden Roboter LOLA.
 

Jürgen Rummel (Kameramann Jena)

Jürgen Rummel ist Ingenieur für Elektrotechnik und forscht im Lauflabor Jena an einbeinigen Robotersystemen und Computermodellen. Dort untersucht er passive Mechanismen und Kontrollstrategien, und deren Einfluss auf die Laufstabilität.
 

Malte Schilling (Bielefeld)

Malte Schilling, beschäftigt sich in Bielefeld mit Simulationen und sechsbeinigen Robotern, um Einblicke in die Regelungsmechanismen der Insekten auf ein technisches System zu übertragen. Er hat ursprünglich Informatik studiert, mit dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz. Daher liegt sein Hauptinteresse darin, wie die zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen zur Steuerung von Bewegungen zu kognitiven Funktionen in Beziehung stehen und wie sich durch Anwendung dieser Regelungsprinzipien in einer mentalen Simulation Aktionen vorausplanen lassen.
 

2008

Die erste Staffel: Alle Forschungstagebücher sowie Wissenswertes zu Projekten und Wissenschaftlern. Hier erfahren Sie mehr über Menschmaschinen, sinkende Küsten oder tierische Invasionen.
  • Tierische Invasion

    "Killershrimp" und Co.: Bedroht die Globalisierung den Bodensee?
  • Die 5-Millionenstadt

    Sind Megastädte die Zukunft der Menschheit? Wie leben und überleben Menschen dort?
  • Blaues Wunder

    Dem Meer auf den Grund gehen: die Rolle des Ozeans im System Erde.
  • Beton Light

    Wie macht man Schweres leicht? Textilbeton eröffnet Wege zum leichten Bauen.
  • Sinkende Küsten

    Vor 10.000 Jahren lebten Menschen dort, wo heute Wellen rauschen.
  • Die Menschmaschine

    Sehen, hören, tasten: Kann ein Roboter vom Menschen lernen?
  • Bedrohter Bergwald

    Zwischen Natürlichkeit und Nutzung: Lassen sich die Bedürfnisse von Mensch und Natur vereinbaren?
  • Tempelpflege

    Kein Stein für die Ewigkeit: Sind die Tempelanlagen von Angkor noch zu retten?
  • Lola rennt

    Auf der Suche nach der perfekten zweibeinigen Laufmaschine.
  • Die Supersaurier

    Warum wurden die Sauropoden die größten Landtiere der Erde?